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Management Literatur: „Adaption!“

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Frankfurt am Main, 14.12.2023, 13:49 Uhr
Presse-Ressort von: Kurt Lehberger Bericht 5476x gelesen

Frankfurt am Main [ENA] Die Theorie und Praxis der Adaption ist Thema des Buches von Niklaus Leemann. Die Adaption hat heute in einer schnelllebigen Welt mit ständig neuen Veränderungen sehr hohe Relevanz. Das Buch „Adaption!“ befasst sich auf ca. 210 Seiten mit der Entwicklung von Strategien für Führungskräfte zur Anpassung erfolgreicher Unternehmen an radikale und disruptive Veränderungen.

Das Buch Adaption! beschreibt in deutscher Sprache die drei Phasen, die für neue Vorhaben durchlaufen werden. Sensing, Seizing und Transforming. Für alle Phasen werden viele nützliche Tools und Methoden an die Hand gegeben, teilweise selbst im Buch, teilweise über die Verlagsseite mit pdf Dateien zum Herunterladen. Dieses Praxiswissen unterstützen die Manager in dem Prozess des radikalen Umbaus. Für neue Geschäftsideen werden z.B. die Kriterien zur Marktattraktivtät und die Company-Fit-Kriterien in einer zweidimensionalen Matrix dargestellt und können mit der Vorlage bewertet werden. Für den Bereich „Sensing“ werden Arbeitsblätter zur Verfügung gestellt, die helfen, die Aufgabe „Radikalen Wandel erkennen und verstehen“ zu bewältigen.

Das ist allerdings keine leichte Aufgabe und bedarf vieler Abstimmungsrunden unter den Managern des Unternehmens. In dem Buch Adaption! werden die Möglichkeiten aufgezeigt, sich zu vernetzen, Konferenzen zu besuchen, an Diskussionsrunden teilzunehmen, um sich den neuen Themen der Veränderung zu nähern und Wissen aufzubauen. In der Phase „Sensing“ ist es entscheidend, über das jetzige Geschäftsmodell hinauszuschauen und neue Risiken und Bedrohungen identifizieren und bewerten zu können, um daraus Chancen für das eigene Geschäft zu entwickeln.

Für das „Seizing“ werden vorsichtige Umsetzungen durch strategische Partnerschaften mit Start-ups oder Gründung und Förderung eigener Startups empfohlen, um die ersten Schritte in die neue Richtung zu gehen, ohne das Stammgeschäft zu gefährden. Der Vorteil der etablierten Unternehmen sind die operative Exzellenz und die breite Kundenbasis. Die Kunst ist es, beide Vorteile, die Innovationskraft der Startups und die Economy of Scales des etablierten Geschäfts zu verbinden. Zum Stammgeschäft sollen neue Geschäftsfelder und neue Geschäftsmodelle identifiziert und aufgebaut werden. Die Grundpfeiler der Ausformung des neuen Geschäftsmodells sind das Wertversprechen, das Ertragsmodell und die Wertschöpfungsarchitektur.

Dazu werden als Ergänzung zu dem Buch Arbeitsblätter angeboten, die ein sehr guter Einstieg für diese Managementaufgabe darstellen. Das Buch bezieht sich auf moderne Managementtheorien wie Dynamic Capabilities, Innovator’s Dilemma, Resource-based View, Geschäftsmodellinnovation, Lean Startup, MVP, Pivot u.a. Daneben sollten auch Anknüpfungspunkte für die Unternehmensanalyse aus der klassischen strategischen Planung erwähnt werden. Zum Beispiel ist die SWOT-Analyse nach wie vor ein attraktives Mittel, die Stärken/Schwächen-Profile zu erstellen und die Chancen/Gefahren von außen für die bestehenden und neuen Geschäftsfelder zu analysieren.

Diese Konzepte können Antworten auf den radikalen Wandel geben. Sie sind bekannte und eingeübte Methoden, die daher sehr gut angewendet werden können. Ebenso ist die BCG-Matrix ein Startpunkt, um die neuen Produkte oder Geschäftsfelder zu identifizieren und aufzubauen. Im Vergleich zu Produktlebenszyklus Matrix von Boston Consulting Group sind es nicht neue Produkte, die aufgebaut werden sollen. In der BCG-Matrix sind es die neuen Produkte im Feld des Fragezeichens, also die Sorgenkinder oder die wilden Hunde oder die neuen „Pflanzen“. Hier in dem Buch Adaption! geht es um mehr als nur um neue Produkte. Vielmehr müssen ganze Geschäftsfelder neu geschaffen werden, um dem von außen einbrechendem radikalem Wandel zu begegnen.

Analog zu den „wilden Hunden“, die vielleicht das Potenzial haben, als neue Produkte Marktanteile zu gewinnen, zu Stars und schließlich zu Cash Cows zu werden, sind es hier noch unbekannte Geschäftsfelder, die neuen Leben in die bestehende Firma einhauchen sollen. Dieser neue Geschäftsbereich ist ein Pilot, der noch entwickelt werden muss. Ein Abbruch ist möglich, ohne dass sich das Unternehmen vergaloppiert und seine Stammprodukte vernachlässigt. Sind Erfolge sichtbar, werden die neuen Geschäftsmodelle entworfen und implementiert. Die Kunst des Managements ist es, die dynamischen Fähigkeiten und Fertigkeiten (dynamic capabilities) in dem Unternehmen zu etablieren.

Dazu bedarf es sehr viel mehr Aufmerksamkeit als früher, da die Umgebungen sich schnell verändern und sehr schnell zur Existenzbedrohung werden. Die Kunst ist es, die äußere Dynamik zu beobachten, zu analysieren und die richtigen Schlüsse für das Überleben der eigenen Firma zu ziehen. Die dynamischen Fähigkeiten und Fertigkeiten müssen gefördert und etabliert werden. Sie werden zum festen Bestandteil der Unternehmensstrategie. Die etablierten dynamischen Fähigkeiten schaffen die Anpassung an radikale diskontinuierliche Veränderungen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der operativen Fähigkeiten, die das Überleben im Wettbewerb sichern.

Kritisch wird oft zurecht die nicht mehr zeitgemäße, da stark hierarchische, Unternehmenskultur gesehen. Um Innovationen zu fördern, müssen die Unternehmen agiler werden und Managementebenen abbauen. Ein bildlicher Begriff dafür ist das Empowerment von Mitarbeiter*innen. Die Szenarien zur Aufgabe „Radikalen Wandel erkennen und verstehen“ sind nicht ohne interne Stakeholder und Know-How Träger zu erarbeiten. Wie entscheidend für den Unternehmenserfolg das Team ist, zeigt z.B. OpenAI, das bei der Entlassung des Gründers Sam Altman, das ganze Team verloren hätte. Der menschliche Faktor, die soziale Kompetenz und der Zusammenhalt sind in Zeiten des Wandels ein hoch-kritischer Erfolgsfaktor.

Was stärker thematisiert werden sollte: wie kann die Umsetzung der Targets, der Ziele, erfolgen? Es sollten viele Projekte sein. Projekte mit klaren Zielsetzungen, mit einem Projektplan mit Meilensteinen, mit regelmäßigen Risikoanalysen und mit Changemanagement, um das Projekt an neue Situationen, neue Herausforderungen anpassen zu können. Der radikale Wandel kann nur gelingen durch professionelles Projektmanagement. Die Unternehmensführung sollte in Lenkungsausschüssen die Projekte ins Leben rufen, sie unterstützen und sie regelmäßig monitoren. Das Projektportfolio sollte halbjährig überprüft werden und bei Bedarf angepasst werden.

Die Projektmanager sollten zertifiziert sein, d.h. sicher in der Anwendung der Projektmanagement-Methoden sein und ausreichende Erfahrungen in Transformationsprojekten oder -programmen mitbringen. Die Mitarbeiter*innen werden zu wenig berücksichtigt. Wenn Lernen in der Organisation großgeschrieben werden soll, so sollte den Beschäftigten eine Neuorientierung und Weiterqualifikation ermöglich werden. Woher sollen die neuen Know-How-Träger kommen? Die Unternehmenskultur sollte nicht abrupt aufgegeben werden, das bringt neue Probleme mit sich.

Neben technischen und konzeptionellen Kompetenzen ist die soziale Kompetenz, die Fähigkeit mit anderen Menschen effektiv zusammenarbeiten, für Führungskräfte insgesamt und besonders in einer Phase des radikalen Wandels entscheidend. Die Akzeptanz der Veränderung bei allen Beteiligten ist Voraussetzung des Erfolgs. Change-Management, im Sinne von dem 8-Schritte Change Modell von John Kotter, ist für die Ausbildung der dynamischen Kapazitäten und für die Anpassung der Unternehmenskultur an die neue strategische Ausrichtung erfolgskritisch. Das Buch ist eine sehr gute Hilfe, sich mit dem Thema Anpassung oder Business Reengineering zu befassen.

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