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Opel – von den Anfängen über die Weltkriege bis heute

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Rüsselsheim, 06.09.2025, 15:48 Uhr
Presse-Ressort von: Kurt Lehberger Bericht 6059x gelesen
Opel Rekord 1958, ausgestellt im Museum
Opel Rekord 1958, ausgestellt im Museum  Bild: Kurt Lehberger

Rüsselsheim [ENA] Adam Opel gründete 1862 seine Fabrik in Rüsselsheim. Schon wenige Jahre später machte sich Opel einen Namen durch die Produktion von Nähmaschinen. Danach wagte Adam Opel die Produktion von Fahrrädern. Opel war bis Mitte der 1930er Jahre der weltweitgrößte Fahrrad-Hersteller.

Nach der Einführung des Fließbands im Jahr 1923 verlässt alle sieben Sekunden ein Fahrrad die Fertigung. 1902 erfolgt die erste Automobilproduktion. Der Opel-Motorwagen hatte 12 PS. Ab 1916 belieferte Opel das Heer mit PKWs, LKWs und mit Flugmotoren. Das Militär zog viele Arbeitskräfte der Wirtschaft ab. Kriegsgefangene und Angelernte sollten die Lücken schließen. Bis zu 1.500 Frauen halfen im Werk aus und bedienten Werkzeugmaschinen. 1924 beginnt die Großserienproduktion. Die Belegschaft zählte 2.800 Personen. 1928 arbeiteten schon 9.400 Personen im Opel-Werk und produzierten über 40.000 Fahrzeuge. 1928 wurde Opel eine Aktiengesellschaft. Als Folge der Weltwirtschaftskrise geriet Opel in Zahlungsschwierigkeiten.

1929 übernahm General Motors den Betrieb. Der Arbeitsprozess wurde noch stärker rationalisiert. Die Belegschaft wurde von 10.400 auf 6.000 reduziert. Das Lohnniveau wurde abgesenkt. Die Folge waren Warnstreiks und verstärkte Aktivitäten in den Betriebsräten und den Gewerkschaften im Betrieb. Der RGO Betriebsrat Jülisch wurde entlassen. Jülisch war gewählter Betriebsrat, KPD-Mitglied und vertrat die RGO-Fraktion (Revolutionäre Gewerkschaftsopposition). Am 12. Februar 1930 kam es zu einem Streik, der von der Polizei beendet wurde. Es gab keine Eskalation, keine Verletzte, der Streik wurde am nächsten Tag nicht fortgeführt.

Die politische angespannte Lage zwischen den Sozialdemokraten und den Kommunisten prägte das Bild innerhalb der Arbeiterschaft. Der Vorwurf der KPD und der RGO-Zellen an die SPD war, dass sie „Sozialfaschisten“ seien, die mit den Nazis die Arbeiterinteressen verraten und gemeinsame Sache mit ihnen machen würden. Das verhärtete die Fronten innerhalb der Belegschaft. General Motors erwarb 1931 alle Aktien an Opel. Neben den PKWs wurden auch LKWs produziert. Der erste Opel Blitz verließ 1931 das Band. Bei den Wahlen in Rüsselsheim am 6.11.1932, also vor Hitlers Machtergreifung 1933, erhielten die KPD 27,5\% und die SPD 24,9\%. Bei den Reichstagswahlen am 5.3.1933 erhielten SPD und KPD zusammen mit 3.022 mehr Stimmen als die NSDAP mit 2.353.

Im Jahr 1933 wurden viele KPD und RGO-Mitglieder und SPD-Mitglieder verhaftet und in die KZs gebracht. Viele sind ins Exil gegangen. Bei den Betriebsratswahlen gingen daher 11 Stimmen an die NSBO (Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation) und 10 Stimmen an andere. Die RGO war verboten – die Mitglieder wurden verhaftet oder gingen in den Untergrund oder ins Exil. Nach Einschüchterungen, Verhaftungen und KZ-Aufenthalten waren 1937 nur noch 30 bis 50 Aktivisten tätig. Sie beschränkten ihren Widerstand auf Mundpropaganda, sogenannte Flüsterpropaganda. Aufgrund von Vorsichtsmaßnahmen wurden keine Flugblätter mehr gedruckt oder verbreitet.

Opel produzierte während des Krieges nur noch Rüstungsgüter. Flugzeugteile der JU 88 wurden ab 1940 beispielsweise hergestellt. Ökonomische Gesichtspunkte waren GM und Opel wichtiger als alles andere. Hitler zeichnete den Betrieb als „Rüstungsmusterbetrieb“ aus. Widerstand wurde in Form von Sabotage durchgeführt. Viele Arbeiter*innen wurden verhaftet und in Darmstadt von den Richtern zu Gefängnis und/oder KZ-Haft verurteilt. Walter Rietig wurde 1942 zu Tode verurteilt und in Berlin Plötzensee hingerichtet. Er hatte nur als Arbeiter bei Opel Kontakt zu französischen Zwangsarbeitern gehabt, was verboten war. Mit ihm wurde ein Exemple statuiert, damit die Belegschaft bei Opel keine Aktionen gegen die Rüstungsindustrie vornehmen sollte.

Näheres dazu: Bernd Heyl: „Vergesst mich nicht…“, Zur Erinnerung an Walter Rietig, Seite 197 ff (siehe Literaturangabe am Ende des Artikels). Trotzdem dass Opel als GM Unternehmen amerikanisch war und man glaubte, dass US-Truppen kein amerikanisches Werk angreifen würden, kam es 1944 zu einem Bombardement der US-Streitkräfte. Dabei wurden 400 Sprengbomben abgeworfen. 112 Menschen wurden dadurch in Rüsselheim getötet. Im selben Jahr flog die Royal Air Force (RAF) mit 412 Flugzeugen über Rüsselsheim und warf dort 1.600 Tonnen Sprengbomben ab. Dabei kamen über 400 Menschen um, fast die Hälfte davon ausländische Staatsangehörige.

Das Opel-Werk war nach einem US-Armee-Bericht vom Januar 1945 zu 43 \% zerstört. Am 15. Juni 1946 wurde das Fertigungs-Band des Opel-Kadetts aus Rüsselsheim als Reparationsleistung nach Russland gebracht. Dort wurde der „Moskowitsch 400“ damit gebaut. Am 1.11.1948 übernahm GM das Opel-Werk wieder. Erster Nachkriegsserienwagen war der Opel-Blitz, der als Militärfahrzeug an den Fronten genutzt wurde. 1954 liefen wieder 140.000 Automobile vom Band. Das war Vorkriegsniveau. Bei Opel fehlten 1960 etwa 2.000 Arbeiter in der Produktion. Es wurden Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben. 1966 arbeiteten bereits 5.000 Migranten im Opel-Werk, etwa 20 \% der Belegschaft.

In der Rezession 1966/67 dienten die ausländischen Arbeitskräfte als Konjunkturpuffer, und fast 3.900 von ihnen wurden wieder entlassen. Die Ausländerbeschäftigung erreichte 1978 mit ca. 13.000 Arbeiter (60 \% der Produktionsarbeiter) ihren Höchststand, die Hälfte der ausländischen Arbeitskräfte war türkischer Nationalität. (Quelle: Museumtafel). Opel gehört seit 2020 zum französischen Automobilkonzern Stellantis. Quellen: "... ohne Rücksicht auf die Verhältnisse": Opel zwischen Weltwirtschaftskrise und Wiederaufbau / Bernd Heyl/Andrea Neugebauer (Hrsg.), Frankfurt a.M.: Brandes und Apsel,1997; Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim, https://www.museum-ruesselsheim.de/

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