Donnerstag, 06.08.2026 23:42 Uhr

Gedenktag Hiroshima

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Frankfurt am Main, 06.08.2026, 17:17 Uhr
Presse-Ressort von: Kurt Lehberger Bericht 447x gelesen
Buch von Keiji Nakazawa: “J'avais six ans à Hiroshima - Le 6 août 1945, 8h15”
Buch von Keiji Nakazawa: “J'avais six ans à Hiroshima - Le 6 août 1945, 8h15”  Bild: Kurt Lehberger

Frankfurt am Main [ENA] Heute gedenken wir den Opfern von Hiroshima. Der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima am 6. August 1945 war furchtbar. Entgegen der Meinungen vieler Menschen war der Atombombenabwurf durch die USA nicht gerechtfertigt. Japan lag schon wehrlos am Boden...

Keiji Nakazawa ist 6 Jahre alt, als die Atombombe auf Hiroshima fällt. Er steht um 8:15 Uhr zufälligerweise vor der Betonwand der Schule. Das rettet sein Leben. Sonst wäre er der Hitze von bis zu 4.000 Grad Celsius, der Druckwelle und der radioaktiven Strahlung ausgesetzt gewesen. Er ist ein Kilometer von dem Hyper-Zentrum entfernt. Sein Vater, sein Bruder und seine Schwester sind unter den Trümmern ihres Hauses eingeklemmt. Seine Mutter versucht ihnen zu helfen, doch es ist vergeblich. Sie kann die Trümmer nicht wegräumen und muss die verzweifelten Hilferufe ertragen. Seine Mutter bleibt unverletzt. Sie ist im sechsten Monat schwanger. Keiji und seine Mutter finden sich kurz nach der Katastrophe wieder. Beide überleben.

Das Baby kommt drei Monate später zur Welt. Es stirbt aber nach vier Monaten an Hunger oder an der radioaktiven Strahlung. Das Buch von Keiji Nakazawa: “J'avais six ans à Hiroshima - Le 6 août 1945, 8h15”, französische Ausgabe, 2020, (ich war 6 Jahre alt in Hiroshima am 6. August 1945 um 8 Uhr 15) schildert seine Erlebnisse. Hier zwei Auszüge zusammengefasst: Der schwarze Regen: Ich kann mich nicht bewegen. Ich schaue mich um. Die Leute irren immer noch umher… plötzlich verdunkelt sich der Himmel. Über der Stadt ziehen schwarze Wolken zusammen, wie ich sie noch nie gesehen habe. Große Tropfen beginnen zu fallen. Sie machen ein dumpfes Geräusch. Ein Tropfen rollt in meine Hand, er glänzt, er sieht aus wie Öl.

Nach ein paar Minuten ist mein Gesicht ganz fettig. Der „schwarze Regen“ befleckt meine Kleidung. … Ich hatte an diesem Tag großes Glück. Einige Monate später bricht bei Menschen, die durch diesen schwarzen Regen stark kontaminiert sind, eine akute Leukämie aus. Ich schlafe eingekuschelt neben meiner Mutter ein und schaue auf die helle, schwarz gesprenkelte Straße…. Die Waisen: Der Schwarzmarkt wächst. Rund um den Bahnhof und der Kuppel des Handelskammergebäudes, von dem nur noch das Gerüst übrig ist, sind provisorische Stände aufgebaut. Dort versammeln sich viele Waisenkinder, die alles verloren haben und nur durch Betteln überleben können. Jeden Morgen sind mehrere Tote darunter.

Die Schwächsten legen sich hin und bewegen sich nicht mehr, selbst wenn ihnen jemand mit dem Fuß tritt. Sie haben nicht mehr die Kraft zu protestieren. Als ich sie sah, sagte ich mir, wenn meine Mutter gestorben wäre, würde ich sicherlich, wie sie vom Tode bedroht sein… Die Yakuzas (Mitglieder der japan. Mafia) machen sich dies zunutze, um unter diesen Ausgeschlossenen, jungen Menschen für ihre Dienste zu rekrutieren. In Hiroshima bricht die Kriminalität alle Rekorde. Es gibt zwar Waisenhäuser, aber sie verfügen nicht über die Mittel, um ordnungsgemäß zu funktionieren. … Auf diese Weise werden viele Waisen zu Schlägern, die von Bandenführern meist bis zum Tod ausgebeutet werden und sie als Kanonenfutter für ihre Zwecke verwenden.

Von Kowamoto, ein weiterer Zeitzeuge, ist zu erfahren, dass es ca. 3.000 Waisenkinder in Hiroshima nach dem Atomabwurf gab. Viele davon verhungerten, da zu wenig Essen vorhanden war. Ungefähr 200 junge Mädchen im Alter von 8 – 11 Jahre waren schutzlos. Sie wurden mit Kleidung und Nahrungsmittel versorgt und an die Bordelle verkauft. (Kowamoto in ardmediathek/arte/Hiroshima, angesehen am 5.8.2026). In Hiroshima sterben 70,000 Menschen sofort, weitere 80.000 an der radioaktiven Verstrahlung über die nächsten Jahre. Es sind mehrheitlich Kinder, Frauen und alte Menschen.

Die Bombe in Hiroshima hieß zynisch „Little Boy“. Sie hatte eine Zerstörungskraft von 15 Kilotonnen und basierte auf Uranium. Die Bombe in Nagasaki, genannt „Fat Man“, hatte 21 Kilotonnen und basierte auf Plutonium. 1 Kilotonne entspricht der Sprengkraft von Tausend Tonnen TNT. Putin besaß und zündete 1961 die Bombe „TZAR“, die über eine Zerstörungskraft von 50.000 Kilotonnen verfügte, also ca. 3.000-mal stärker war als die Bombe, die auf Hiroshima fiel. Atomwaffen sind eine Bedrohung für die ganze Menschheit. Die Verstrahlung betrifft nicht nur das angegriffene Land, sondern den ganzen Planeten. Die Langzeitfolgen betreffen die globale Gemeinschaft.

Atomwaffen sind Statussymbole, sie stehen für Prestige der Großmächte und haben einen „Fetisch“-Charakter. Ihr Besitz stellt eine Bedrohung für andere Staaten dar. Zwölftausend atomare Sprengköpfe gibt es weltweit. Russland und die USA haben einige Tausend atomare Sprengköpfe. In Deutschland sind noch 20 atomare Sprengköpfe stationiert. Sie stehen unter der politischen Verantwortung der NATO. Die fünf offiziellen Kernwaffen-Staaten sind: USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich. Die weiteren Staaten, die atomare Sprengköpfe bzw. Atombomben besitzen sind: Iran, Nordkorea, Indien und Pakistan.

Die Atomwaffen dürfen nicht aus dem Blickfeld geraten. In diesem Jahr (2026) gedenken wir an die Atombombenabwürfe, die vor 81 Jahren auf Hiroshima und Nagasaki geschahen. Brauchen wir Atomwaffen, um Kriege zu verhindern? Die Doomsday Clock (die Uhr, die die Katastrophe der Auslöschung der Menschheit anzeigt) steht 90 Sekunden vor 12. Mit Trump als neuem Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika kommt die Uhr noch näher an die 12. Trump kann ohne Zustimmung eines Regierungsorgans die Atomwaffen einsetzen. Wir können nur auf Verträge und deren Einhaltung hoffen, um die Apokalypse abzuwenden. 1987 vereinbarten die USA und die Sowjetunion im INF-Vertrag (Mittelstrecken-Nuklearstreitkräfte-Vertrag) Abrüstung und Ächtung von Atomwaffen.

Die rote Linie, keine Atomwaffen einzusetzen, hat Putin überschritten. Er droht mit dem Einsatz im Krieg gegen die Ukraine. Die nukleare Bedrohung ist aktuell sehr hoch. Der Friedensnobelpreis für das Jahr 2024 ging an die japanische Organisation „Nihon Hidankyo“. Diese Organisation ist eine Basisbewegung von Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im Jahre 1945. Die „Hibakusha“, das sind die Überlebenden, die als Zeitzeugen sich weltweit Gehör verschaffen. Sie werden geehrte wegen ihren Bemühungen um eine atomwaffenfreie Welt. Atomwaffen sollen nie wieder eingesetzt werden dürfen. Sie fordern die nukleare Abrüstung.

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