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Francis Bacon (1561 - 1626)

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Frankfurt am Main, 23.06.2024, 17:21 Uhr
Presse-Ressort von: Kurt Lehberger Bericht 4347x gelesen
Wasserkraft
Wasserkraft  Bild: Kurt Lehberger

Frankfurt am Main [ENA] „Wir müssen den Kräften gehorchen, die wir beherrschen wollen“ - natura non nisi parendo viricitus, ist ein Zitat von Francis Bacon. Was ist die Bedeutung dieses Zitats? Bacon rät uns, die Natur, die reale Welt so zu betrachten, wie sie existiert, wie sie für uns greifbar ist, wie sie messbar ist.

Es gibt die reale Welt und nicht nur Ideen und eine Art Spiegelbild, das nicht zuverlässig, verschwommen und verzerrt ist, wie Platon und andere Philosophen behauptet haben. Bacon verfolgt einen nicht-metaphysischen Ansatz. Für Bacon ist die Wirklichkeit ein Objekt, das es zu untersuchen und zu erforschen gilt. Er verkündet die Notwendigkeit, die besten Methoden zu finden, um die Ursachen der Wirkungen und die Gesetze der Natur herauszuarbeiten. Die Methoden beruhen auf der Definition der richtigen Begriffe, den Axiomen. Der nächste Schritt ist die Induktion. Dabei geht es darum, Schlussfolgerungen auf der Grundlage der gefundenen Fakten zu ziehen.

Es ist ein großer Fortschritt, eine Theorie durch das Sammeln von Beispielen und empirischen Fakten zu erstellen. Dieses Zitat ist wichtig, um den neuen Ansatz zu verstehen. In „The Great Instauration“ (1620) legt Bacon dar, was Induktion ist. Die Schlüsselbegriffe sind die Erfahrungen (Empirie) und die Formulierung von Hypothesen, die verifiziert oder widerlegt werden sollen. Bacons Zitat "Wir müssen den Kräften gehorchen, die wir beherrschen wollen" ist wie eine List. Wenn man die Natur unter die Lupe nimmt, erhält man die Kraft der Natur. Ein Beispiel: Wenn man die Kraft des Wassers versteht, kann man eine Wassermühle zum Mahlen von Getreide einsetzen.

Die Erzeugung von Strom aus Erhitzung des Wassers, wie sie zwei Jahrhunderte später in der Dampfmaschine genutzt wurde, führte zur industriellen Revolution und brachte einem großen Teil der Menschheit Wohlstand. Wenn man die Elektrizität versteht, kann man die Nacht erhellen. Diese einfache Aussage von Bacon erklärt die Macht der Naturkräfte, wenn man die Regeln befolgt. Später kann man mit den gewonnenen Erkenntnissen die Natur umgestalten und die Früchte daraus ernten. Spannend ist auch die Einsicht von Bacon in Bezug auf das Wissen um die Voreingenommenheit, die wir in Bezug auf unsere Wahrnehmung haben.

Er erläuterte uns einige weise Erkenntnisse über Wahrnehmungsverzerrungen und wir können die Verbindung zu den Erkenntnissen der heutigen Sozialpsychologie erkennen. "Es gibt vier Klassen von Idolen, die den Verstand der Menschen bedrängen. Um sie zu unterscheiden, habe ich ihnen Namen gegeben: die erste Klasse nenne ich Idole des Stammes, die zweite Idole der Höhle, die dritte Idole des Marktplatzes und die vierte Idole des Theaters." Idol der Gattung (Stammes, Tribe): Hierunter fallen Vorurteile, deren Basis der Wahrnehmungsapparat des Menschen an sich ist. Bacon vergleicht den Verstand des Menschen mit einem Spiegel, der die Außenwelt nicht direkt widerspiegelt, sondern sie mit Erfahrungen beziehungsweise Vorurteilen vermischt.

Bacon weist auf die Täuschung und die Fehleranfälligkeit des menschlichen Wesens hin. Der menschliche Verstand ist wie ein falscher Spiegel, der die Strahlen unregelmäßig empfängt und die Natur der Dinge verzerrt und verfärbt, indem er seine eigene Natur mit ihr vermischt. Sowohl die Sinne als auch der Verstand sind nach dem Maß des Einzelnen und nicht nach dem Maß des Universums ausgerichtet. Idole der Höhle (Cave): Denn jeder Mensch hat seine eigene Höhle, die das Licht der Natur bricht und verfärbt, sei es durch seine eigene Natur, sei es durch seine Erziehung und den Umgang mit anderen, sei es durch die Lektüre von Büchern und die Autorität derer, die er schätzt und bewundert.

Idole des Marktes (Market Place): Diese Hindernisse zur Erkenntnis entstehen durch den Verkehr und die Verbindung der Menschen untereinander. Die Menschen verkehren miteinander durch Reden, und die Worte werden nach dem Verständnis des gemeinen Volkes gewählt. Deshalb ist die schlechte und unpassende Wahl der Worte ein Hindernis für das Verständnis. „Auch die Definitionen oder Erklärungen, mit denen sich die Gelehrten in manchen Dingen zu schützen und zu verteidigen pflegen, bringen die Sache keineswegs in Ordnung.“ Die fehlerhafte Worte „verwirren alles, und führen die Menschen in zahllose leere Streitigkeiten und müßige Phantasien.“

Idole des Theaters: Diese Vorurteile nennt Bacon die Idole des Theaters, weil die Dogmen, Religionen, Aberglaube und Ideologien wie Bühnenstücke sind. Es sind die Welten ihrer eigenen Schöpfung. Sie sind in einer unwirklichen und szenischen Art dargestellt. Das letzte Vorurteil gilt es zu überwinden. Mit dem Idol des Theaters hebt Bacon hervor, dass Religion und Wissenschaft getrennt werden müssen. Wir sehen hier wieder, dass es die Ära der Eroberung der Naturwissenschaft über die Religion war. Der Materialismus war geboren und die Fesseln der Religion mussten gelockert werden, damit der Kapitalismus aufblühen konnte. Ein historischer Hinweis auf die Veränderung der Welt war z. B. die Eröffnung der Börse in London zur Zeit Bacons.

Die Industrie wollte im Bergbau Mechanik wie Pumpentechnik und Hydraulik einsetzen. Deshalb wurde von den neuen Kräften des Kapitals keine Behinderung der Wissenschaft hingenommen. Bacon war damit beschäftigt, seine Erkenntnisse umzusetzen. Er war ein Anhänger der wissenschaftlichen Methode und leitete zusammen mit anderen Wissenschaftlern die wissenschaftliche Revolution im 17. Jahrhundert. Bacon wird als Vater des Empirismus bezeichnet. Er gilt als der Begründer der experimentellen Wissenschaft. Dies war der Beginn einer neuen Ära.

Bacon gründete 1660 unter Karl II. die Royal Society. Sein Bestreben war auch die Einrichtung einer Enzyklopädie, die weltweit genutzt werden sollte. Sein Ziel war es, eine Wissenschaft zu schaffen, die sich weltweit entwickelt und auf dem Austausch der Informationen aller Wissenschaftler beruht. Er war ein praktischer Denker. In dem Roman "Das neue Atlantis" entwarf er seine Vision einer utopischen neuen Welt in Nordamerika. Es handelt sich um eine fiktive Insel im Pazifischen Ozean. Die großen Ideen der Religionsfreiheit, hier werden z.B. die Juden gleichbehandelt wie die Christen, der Frauenrechte, der Abschaffung der Sklaverei, der Trennung von Kirche und Staat reichen bis in die Gegenwart.

Diese skizzierten Ideen, die auch die Rechtsreform beeinflussten und sich in einigen wichtigen politischen Freiheiten verwirklichten, sind ein Verdienst von Bacons Denken. Sie waren grundlegend in den politischen Aspekten im Napoleonischen Gesetzbuch, dem "Code civil des Français" unter Napoleon. Der Denkrahmen Bacons, der in dem oben genannten Zitat zum Ausdruck kommt, wird auch auf das Recht angewendet. Das Common Law der Moderne in der englischen Gesellschaft basiert auf den Ideen von Bacon. Die Idee des Empirismus wird hier deutlich. Die Hauptaufgabe besteht darin, tief in die Fälle hineinzuschauen und die Beweise durch Fakten zu finden.

Diese charakteristischen Merkmale des modernen Common Law Systems sind: Die Verwendung von Fällen als Beweismittel, die Bestimmung der Relevanz von Präzedenzfällen durch ausschließende Prinzipien der Beweisführung und der Logik - hier besteht eine Analogie zur Anwendung der Methoden in der Naturwissenschaft - und die Behandlung gegensätzlicher Fakten als Anti-Thesen im Sinne des "ungeschriebenen Gesetzes" und die Festlegung neuer Fakten.

Thomas Hobbes, John Locke und David Hume wurden von Francis Bacon beeinflusst. Hobbes war als junger Mann Sekretär von Bacon. So ging er neben letzterem und schrieb auf, was er diktierte. Ganz nach dem Zitat von Bacon: „Der Mensch tut gut daran, einen Bleistift bei sich zu tragen und die Gedanken, wenn sie kommen, niederzuschreiben.“ Das oben genannte Zitat wird auch übersetzt in „Die Natur wird besiegt, indem man ihr gehorcht.“ Oder noch einfacher als Schlagwort – „Wissen ist Macht.“

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