Donnerstag, 25.07.2024 08:21 Uhr

Ausstellung „Auf dem Rücken der Kamele“

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Wien, 23.06.2024, 17:42 Uhr
Presse-Ressort von: Kurt Lehberger Bericht 4827x gelesen
Weltmuseum Wien
Weltmuseum Wien   Bild: Kurt Lehberger

Wien [ENA] Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2024 zum Internationalen Jahr der Kameliden erklärt. Das Weltmuseum Wien präsentiert die Sonderausstellung „Auf dem Rücken der Kamele“ als Zeichen des internationalen Engagements Österreichs und zeigt viele Aspekte des Zusammenlebens mit den Kameliden.

Kameliden werden zur Sicherung des Lebensunterhalts von Millionen von Menschen in über 90 Ländern der Erde eingesetzt. Insbesondere indigene Völker und lokale Gemeinschaften nutzen Trampeltiere, Dromedare, Lamas, Alpakas, Guanakos und Vikunjas für die Ernährung und für wirtschaftliche Zwecke. Die Tiere leben in den trockenen und halbtrockenen Gebieten Afrikas und Asiens und im Andenhochland. Sie haben eine große kulturelle und soziale Bedeutung für die Menschen. Kameliden spielen für die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) eine wichtige Rolle, insbesondere bei der Bekämpfung des Hungers, der Beseitigung der extremen Armut, bei der Stärkung der Rolle der Frau und der Nutzung von nachhaltigen Ökosystemen.

Die Kameliden liefern Milch, Fleisch und Wolle und dienen als Transportmittel von Produkten und Menschen. Sie produzieren organischen Dünger und Brennstoff für die Dorfgemeinschaften. Kameliden sind dort zu Hause, wo andere Nutztierarten nicht überleben können. Vor dem Ölboom waren die Kamele für die Männer, Frauen und Kinder gelebter Alltag. Heute ist das Kamel in den reichen Ölstaaten für die, die vom Ölboom profitieren, eher ein Luxustier als ein Arbeitstier. Gezeigt wird der Film „Alheda’a, oral traditions of calling camel flocks”. Er handelt von Kamelbesitzern in den Ölstaaten Saudi-Arabien, Oman und Vereinigte Arabische Emirate beim Ausüben der alten Tradition der Alheda.

Die Herdenführer*innen rufen die Tiere mit lauten Kommandos und Gesängen des „Alheda“. Die Tradition wird an die nächste Generation weitergegeben. Die Rituale zeigen die starken gefühlsmäßigen Bindungen von den Menschen zu ihren Kamelen. Sie gehören zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit der UNESCO. Kamele spielen im Islam eine wichtige Rolle. Der Koran erwähnt das Kamel an 15 Stellen. Kamelkarawanen brachten in den 1920er Jahren die Vorhangstoffe der Kaaba von Kairo nach Mekka. Somit ist das Kamel verbunden mit dem Hadsch (Hajj), der Pilgerreise zur Kaaba, dem „Haus Allahs“, in der heiligen Stadt Mekka in Saudi-Arabien.

Im römischen Reich, im osmanischen Reich, im Reich der Inka und in Teilen von China werden Kamelkarawanen für der Transport von Waren und von Waffen eingesetzt. Es gibt Funde, die belegen, dass bereits 700 v.u.Z. Kamele als Packtiere eingesetzt wurden. Ein Bild von 1530 des Malers Niklas Meldemann zeigt, wie die osmanischen Truppen die Dromedare als Lasttiere bei der Belagerung von Wien nutzten. Kamele wurden in Kriegen und in der Kolonialzeit eingesetzt. In Namibia importierten die Deutschen Kamele, um diese im Vernichtungskrieg gegen die Herero und Nama einzusetzen (1904 – 1908). Napoleon Bonaparte setze Dromedare in Ägypten ein.

In der Kolonialzeit und im ersten und zweiten Weltkrieg dienten Kamele den Truppentransporten in den Wüstenländern. Ibraham Shaddad zeigt in dem Film „Al Jamal“ wie ein Kamel in einer Sesammühle eingesetzt wird. Das Kamel ist mit Stricken an einem deichselartigen Holzarm angebunden und geht im Kreis in einer unteririschen Kammer. Der Mühlstein dreht sich. Die Augen des Kamels sind mit einer Augenbinde abgedeckt. Das Kamel wird von einem jungen Mann geführt. Seine Augen sind ebenso abgedeckt. Wir sehen, wie das Kamel eine Arbeitspause erhält.

Es ist nun im Innenhof und ruht sich aus, wälzt sich im Sand, geht zur Tränke, trinkt Wasser, nimmt Körner, die auf dem Boden liegen mit seiner Zunge auf, frisst eingeweichtes Brot. Hühner springen umher, Tauben picken Körner, Ziegen laufen um das liegende Kamel herum. Der Hof ist der Ort des Lebens. Nach einer Weile wird das Kamel wieder zurück in die Höhle geführt. Es sträubt sich, widersetzt sich, stemmt sich mit den Hufen gegen die Zugkraft des Kamelführers, brüllt und äußert unverkennbar seinen Unwillen zu gehorchen. Doch alles geht seinen gewohnten Gang. Die Augenbinde wird angelegt, das Geschirr zum Bewegen der Mühlmechanik wird festgezurrt. Das Kamel geht erneut im Kreis…

Bereits vor 45 Millionen Jahren lebten Lamas in Südamerika. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Identität vieler Kulturen und Gesellschaften in Südamerika. Südamerikanischen Kameliden - Lamas, Alpakas und Guanakos - gelten als einzigartige einheimische Nutztiere des Kontinents. Sie sind ein spiritueller und kultureller Teil der Identität indigener Völker und lokaler Gemeinschaften im Andenhochland. In den Anden wurden Waren aus unterschiedlichen Zonen mit Lama-Karawanen transportiert. Wertvolle Produkte wie beispielsweise Muscheln wurden von der Küste über die Berge gebracht. Tropische Federn wurden im Gegenzug aus den Bergen an die Küsten geliefert. Lamas waren die tragende Kraft des Wirtschaftslebens in den Bergen Südamerikas.

Das Museum zeigt Felsmalereien von 800 – 400 Jahren vor unserer Zeit, aufgenommen in Chile von Hans Lenoch. Hier sind Lamaherden zu sehen. Ebenso zu sehen, ist ein Wandbild aus Textil „Hochlandszene mit Lamas“. Es ist eine Strickarbeit aus dem Handarbeitsunterricht in Peru aus dem Jahre vor 1968 von Juan Quispe. Eine Lama-Karawane wird auf dem Foto von Mario Baldi aus Peru um 1950 gezeigt. Die bunte Mischung von farbenprächtigen Wollmützen der Andenbewohnern werden in einer Vitrine ausgestellt.

Besondere Aufmerksamkeit erweckt das Kunstobjekt: “Lima the Llama”, ein lebensgroßes Lama, das aus recycelten Materialen von dem Künstler Josh Gluckstein hergestellt wurde. Es beeindruckt durch seine anmutende Zugänglichkeit und durch den farbenfrohen Schmuck am Rücken, am Hals und an den Ohren des Lamas. Die Lamas, Alpakas, Guanakos und Vikunjas versorgen die Gemeinden mit Fellen (Haut und Wolle) und Fleisch. Das Fell der Guanakos wurde auf Feuerland, im Süden Südamerikas, von den dort lebenden Nomaden getragen. In der Kolonialzeit wurden die Guanakos fast restlos vernichtet, ebenso ist die Ethnie der Selk‘nam fast verschwunden. Die Ausstellung zeigt dazu Fotos und einen Umhang aus Fell und Leder.

Die Zartheit, die Konsistenz und der Geruch der verschiedenen Wollarten der Kameliden können durch direkte Berührung in einem Ausstellungsteil wahrgenommen werden. Der Bericht ist ein Auszug aus einer vielseitigen Ausstellung und beschränkt sich auf die Aspekte, die mich besonders interessierten. Die Ausstellung befindet sich im Weltmuseum Wien, Neue Hofburg, Heldenplatz, 1010 Wien und ist bis zum 26. Januar 2025 zu sehen.

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