Stephanie Comilang - „Coordinates at Dawn“
Frankfurt am Main [ENA] In der Schirn Kunsthalle Frankfurt werden die Werke von Stephanie Comilang vom 25. September bis 4. Januar 2026 in einer eigenen Ausstellung gezeigt. Erstmals in Deutschland zu sehen sind ihre beiden jüngsten Filme Search for Life. Diptych (2024/25) sowie Diaspora Ad Astra (2020).
Die Schirn ist umgezogen. Das neue Ausstellungsgebäude ist die ehemalige Dondorf Druckerei. Das rote Backsteingebäude befindet sich an der U-Bahn Bockenheimer Warte hinter den Städtischen Bühnen (Bockenheimer Depot). Die philippinisch-kanadische Künstlerin Stephanie Comilang, geboren 1980 in Toronto, wählt das Medium Videofilm als Kunstform. Sie schuf drei Videoinstallationen, die in der Schirn zu sehen sind. Die Filme wurden teilweise mit ihrem Smartphone aufgenommen. Die Themen sind: Perlen, der Monarchfalter und die globale Migration. Sie bezeichnet die Filme als Dokufiktion, „science fiction documentaries“, eine Erzähltechnik, die fantasievoll Dokumentation und gespielte Szenen verknüpft.
Dabei kommen indigene philippinische Kulturtechniken zum Einsatz. Search for Life, Teil 1 und Teil 2 sind wie ein Diptychon, ein Altarbild mit zwei Flügeln. Teil 1 ist von 2024, Teil 2 von 2025. „Ich beginne ein Werk, indem ich mit Menschen rede“, sagt Stephanie Comilang, zitiert nach der Kuratorin der Ausstellung Martina Weinhart. Es gelingt ihr, komplexe Zusammenhänge wie Migration aus der künstlerischen Perspektive darzustellen und durch sinnliche Komponenten wirkungsvoll zum Nachdenken anzuregen. Die Erfahrungen von Migration erlebte die Künstlerin selbst, da ihr Vater während der Marco-Diktatur 1975 nach Toronto migrierte.
Im ersten Raum hängt eine Projektionsfläche aus dicht nebeneinander hängenden Perlenketten. Auf diese perlige weiße Wand wird der Film Search for Life II projiziert. Die Filmszenen der Perlentaucher werden also über die Perlen selbst als Leinwand leuchtend wiedergegeben. Der Perlenvorhang zeigt die harte Realität der Perlentaucher. Perlen waren in der indigenen Kultur ein wertvoller Gegenstand, der als Schmuckstück und auch als Zahlungsmittel verwendet wurde. Heute sind es nur noch wenige, die von der Perlensuche leben. Die synthetische Perle und die Zuchtperlen haben die alte Tradition abgelöst.
Filipino sind über die ganze Welt verteilt. Sie fahren zur See oder sind in Mexiko oder USA als Haushaltshilfen oder als ungelernte Arbeitskräfte eingesetzt. Eine K-Pop Tanzgruppe wird gezeigt, wie sie in Dubai in einer Straße auftritt. Junge Frauen, in weißen Kleidern, aus den Philippinen migriert. Der Matrose erzählt von seinem Arbeitsalltag auf dem Öltanker. Er ist dem Dreck, Gestank, und Lärm ausgesetzt, hat einen 10 – 12 Stundentag und kommt oft während acht Monaten nicht an Land. Er bleibt von seiner Familie für eine lange Zeit getrennt. Der Film von 2019 heisst “Diaspora ad Astra” und zeigt die totale Isolation unter Corona, eine politische Isolation unter dem Vorwand der Purifikation.
Rund 40.000 Philippiner arbeiten jährlich auf Handelsschiffen, die auf der ganzen Welt verkehren. Der Monarchfalter ist ein Motiv für Stephanie Comilang, das für Migration, Transformation und Resilienz steht. Der Falter fliegt im November von Kanada bis Mexiko, um der Winterkälte zu entkommen. Dabei erhält er seine Farbenpracht und seine Stärke. Ergänzend zum Film gibt es zwei lebensgroße Skulpturen. Die Monarchfalter sind auf die aus Ananasblättern bedeckten, weißen Umhänge der Skulpturen gestickt. Die Stoffe der zwei Figuren verweisen auf die kolonialen Verflechtungen zwischen den Philippinen, Spanien und Mexiko.
Im Film werden die Monarchfalter immer wieder gezeigt. Der Film ist nicht statisch, die Szenen wechseln nicht sequenziell, sondern werden ineinander verschlungen sichtbar. Durch das Diptychon werden zwei Leinwände gleichzeitig gespielt. Der Zuschauer ist zwischen den Leinwänden platziert. Stephanie Comilang lebt in Berlin. Ihre Werke wurden bereits u.a. in der Tate Modern in London (2022), dem Hamburger Bahnhof in Berlin (2021) und auf dem Internationalen Film Festival in Rotterdam (2018) gezeigt. 2019 erhielt Comilang mit dem Sobey Art Award den renommiertesten kanadischen Kunstpreis.




















































