Lili Marleen – ein Liebes- und Friedenslied
Frankfurt am Main [ENA] Im Jahr 1915 schrieb Hans Leip die Urfassung des Gedichts, was später das Lied „Lili Marleen“ wurde. Lili war jung, hatte braune Haare und kastanienbraune Augen, sie strahlte Gesundheit und Lebendigkeit aus. Hans Leip war zwanzig Jahre alt und lebte in Berlin.
Hans war aber in ein anderes Mädchen verliebt. Sie hieß Marleen, wohnte im selben Haus wie er in Berlin Chausseestraße direkt neben der Kaserne. Marleen war blond, hatte grüne Augen, war schlank und sehr hübsch. Hans arbeitete im Schichtdienst in einem nahegelegenen Lazarett. Er behandelte die Verwundeten der russischen Front. Marleen und Hans wechselten die Blicke, vielleicht war es die Liebe auf den ersten Blick? Sie verabredeten sich, waren sogar in der Wohnung von Marleen zusammen, um sich zu umarmen. Sie wurden von der Vermieterin gestört.
Als er wie jeden Abend das Wohnhaus in der Chausseestraße verlässt, begegnet er Lili. Ist es die Enttäuschung über die kaum begonnene Umarmung mit Marleen? Ist es der Impuls des anbrechenden Frühlings? Jedenfalls, plötzlich, im Dämmerlicht des Treppenhauses, wirft sich Hans leidenschaftlich in Lilis Arme und gibt ihr einen Kuss. Am nächsten Morgen erfuhr Hans, dass er als Soldat an die Front geschickt werden sollte. Das war im April 1915, im ersten Weltkrieg.
Aus dieser Situation heraus schrieb Hans Leip den Text des Liedes. Der Kuss von Lili und die Liebe zu Marleen veranlasste ihn, das Sehnsuchtsmädchen “Lili Marleen” zu benennen. Hans Leip erhielt kurz vor seinem Fronteinsatz drei Tage Einzelhaft, weil der Adjutant ihn mit Marleen gesehen hat und das bestrafen wollte. Das hinderte ihn, Marleen vor der Kaserne wiederzusehen. Das Lied „Vor der Kaserne, vor dem großen Tor.“ beschreibt seinen Seelenzustand. Es vergehen 22 Jahre. "Das Lied eines jungen Soldaten auf der Wacht" wurde von Hans Leip 1937 um zwei Verse ergänzt und erhielt damit die Originalfassung, wie sie ab 1941 gesungen wurde. Zuvor wurde das Lied “Das Mädchen unter der Laterne” genannt.
Radio Belgrad – der Durchbruch. Das Lied „Lili Marleen“ wurde vom deutschen Wehrmachtsradio in Belgrad 1941 gespielt. Die Soldaten lauschten und waren begeistert. Das Lied war bald auf allen Kanälen zu hören, bis zu 30-mal am Tag. Die Sängerin Lale Andersen erhielt eine Million Briefe von begeisterten Hörer*innen. Der deutschen Regierung gefiel das Lied nicht. Es war ihr zu defätistisch, zu mutlos. Doch das Lied verbreitete sich rasend. Es wurde in 48 Sprachen übersetzt und überall, wo Krieg herrschte, gespielt. Der Liedtext wurde 1937 entdeckt und von Rudolf Zink wurde die Melodie komponiert, die Lale Anderson 1939 zum ersten Mal öffentlich sang. 1941 wurde die Melodie von Norbert Schultze neu geschrieben.
Das Lied war nun weniger wehleidig und romantisch, eher gestrafft und aktivierend. Das Lied wurde ja von vielen Soldaten gehört, die in den Lazaretten lagen und Trost und Hoffnung brauchten. Waffenruhe während des Liedes. An Weihnachten 1941 lagen die deutschen Soldaten vor Tobrouk in Polen. Sie hörten Radio Belgrad und drehten die Lautsprecher auf, sodass die polnischen Soldaten mithörten. Das wiederholten sie Abend für Abend über mehrere Wochen. Während der Übertragung des Liedes schwiegen die Waffen für einige Minuten.
Es gab weitere Fassungen in anderen Sprachen und mit Textmodifikationen. Zwischen April 1944 und Juli 1945 trat Marlene Dietrich 68-mal auf und sang vor 150.000 Soldaten der Alliierten die englische Fassung des Liedes. Die Einsatzgruppen spielten das Lied. Die Einsatzgruppen folgten der deutschen Armee und erschossen Männer und Frauen jeden Alters. Die Opfer mussten große Gruben ausheben, vor denen sie dann erschossen wurden. Manchmal wurden dabei Lili Marleen, das Lied von Lale Andersen, verstärkt durch Lautsprecher laut gespielt, um die Schreie der Mütter und Kinder und dann die der Maschinengewehre zu übertönen. Das Liebes- und Friedenslied von Hans Leip wurde als Begleitmusik der grausamsten Taten gespielt.
Heute erleben wir wieder Krieg in Europa. Die Sehnsucht nach Frieden und Wiedersehen von Liebenden ist die gleiche wie in allen Kriegen. Liedtext in der Originalfassung von Lale Anderson,1941: Vor der Kaserne, vor dem großen Tor stand eine Laterne und steht sie noch davor. So wollen wir uns da wiedersehen, bei der Laterne wollen wir stehen. Wie einst Lili Marleen. Unsre beiden Schatten sahen wie einer aus, dass wir so lieb uns hatten, das sah man gleich daraus. Und alle Leute sollen es sehen, wenn wir bei der Laterne stehen. Wie einst Lili Marleen. Schon rief der Posten, sie bliesen Zapfenstreich. Es kann drei Tage kosten. Kam′rad, ich komm ja gleich. Da sagten wir auf Wiedersehen, Wie gerne würd' ich mit dir gehen. Mit dir, Lili Marleen.
Deine Schritte kennt sie, Deinen schönen Gang, Aller Abend brennt sie. Doch mich vergaß sie lang. Und sollte mir ein Leid geschehen, wer wird bei der Laterne stehen. Mit dir, Lili Marleen. Aus dem stillen Raume, aus der Erde Grund, hebt mich wie im Traume dein verliebter Mund. Wenn sich die späten Nebel drehen, werd ich bei der Laterne stehen. Wie einst Lili Marleen. Quelle und Literatur: Lili Marleen: L'incroyable histoire de la plus belle chanson d'amour, 5. April 2012, von Jean-Pierre Guéno. Link zum Lied: https://www.youtube.com/watch?v=YjXC4N1HXf0 .




















































