Montag, 20.07.2026 10:15 Uhr

Kollaborative Filmkunst von Wagner & De Burca

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Frankfurt am Main, 06.02.2026, 14:13 Uhr
Presse-Ressort von: Kurt Lehberger Bericht 5965x gelesen
Plakat der Ausstellung
Plakat der Ausstellung  Bild: Kurt Lehberger

Frankfurt am Main [ENA] Die Ausstellung „The Tunnels We Dig“ verbindet drei Videoinstallationen, die von Bárbara Wagner & Benjamin de Burca entwickelt wurden und in der Schirn Frankfurt gezeigt werden: Future of Yesterday (D, 2026, RISE (Kanada, 2018) und Estás vendo coisas / You are seeing things (Brasilien, 2016).

Das Thema der Ausstellung “The Tunnels We Dig“ bezieht sich auf die unterirdische Welt, die unsichtbar von oben ist, aber lebendig in der Tiefe. Der Tunnel steht ebenso als Metapher für Transformation. Passend dazu ist das Video „Rise” das Musikaufnahmen in der U-Bahn von Toronto zeigt. Das in 2026 im Rhein-Main-Gebiet geschaffene Musikvideo „Future of Yesterday“ widmet sich der Straight Edge-Bewegung, die in den 1980er Jahren in Washington DC begann. Straight Edge ist eine lebenslange Verpflichtung, niemals zu trinken, zu rauchen oder Drogen zu nehmen. Vorzugsweise leben Straight Edge Mitglieder vegan. Autonomie ist ihnen wichtig. Sie wollen unabhängig vom Kommerz sein und frei von physischen und psychischen Abhängigkeiten.

Future of Yesterday entstand in Zusammenarbeit mit den Bands „Blinded“ und „One“ sowie anderen Mitgliedern der lokalen Straight-Edge-Szene. Der Videofilm ist eine Mischung aus Dokumentation, Unterhaltung und In Szene-Setzung der Protagonisten mit ihren symbolischen Gesten. Die Musikstücke werden in voller Länge gezeigt. Die Songtexte sind bedeutend. Es geht um Selbstständigkeit, Autonomie und Befreiung: „… Du sagst es sei nicht wahr, doch ich hasse mich selbst…wie kann ich gut sein für dich oder irgendwen sonst… ich wollte nie jemand anderes sein… der einzige Weg zur Freiheit, ist ich zu sein… all die gebrochenen Versprechen wurden zu dem, was mir fehlte, ich hab das Recht zu leben!“.

Die Autonomie der Straight Edge bedeutet Do-It-Yourself (DIY) im Alltag und in der Musikindustrie. Sie organisieren das Merchandising und die Veranstaltungen selbst. Die Besonderheit der Produktion von Bárbara Wagner & Benjamin de Burca ist die Zusammenarbeit mit den Musikern vor und während der Dreharbeiten. „Sie haben sich gut vorbereitet und konnten seht gut mit den Musikern zusammenarbeiten. Sie haben darauf geachtet, was der Film für die jungen Musiker bedeuten würde.“ So Nick Dingeldein, Schlagzeuger der Band „Blinded“ im Interview (TTT, am 1.2.2026).

Szenenbild aus "Rise".
Bárbara Wagner, Katharina Dohm, Benjamin de Burca, Sebastian Baden
Szenenbild aus "Rise"

In „Rise“, Kanada 2018, treten Schriftsteller*innen, Dichter*innen und Musiker*innen des Kollektivs R.I.S.E. (Reaching Intelligent Souls Everywhere) in den Underground-Schächten der U-Bahn von Toronto auf. Die Protagonist*innen in Rise sind Jugendliche der ersten und zweiten Generation der Einwander*innen mit afrokarabischen Wurzeln. In ihren Poetry Slams geht es um ihre Identität als Kanadier*innen.

Das dritte Video hat den Titel “Estás vendo coisas / You are seeing things” und wurde 2016 in Brasilien gedreht. Im Nachtklub „Planeta Show“ in Recife im Nordosten Brasiliens wurde das Video über Brega-Musikszene entwickelt. Brega ist eine Art Schlager-Musik. Lieder, die von Liebe, Treue, Erfolg und Betrug erzählen, werden von den Künstler*innen gesungen. Viele von ihnen leben zwei Leben. Eines für die Kunst und eines, um Geld zu verdienen. So arbeitet die Sängerin Dayana Paixão als Feuerwehrfrau. Das Musikgenre Brega spiegelt die aufstrebenden Mittelschicht Brasiliens wider. Oft verschmelzen in den romantischen Melodien Hip-Hop, Techno und karibischer Reggae.

Der Einsatz einer zweiten Kamera ermöglicht, die Performer*innen dabei zu beobachten, wie sie sich selbst in Szene setzen, während sie das Publikum mit ihrer Musik begeistern. Das Video dokumentiert die Brega-Musikszene und zeigt die Menschen in ihrem sozialen Kontext. Die Protagonist*innen performen mit viel Fantasie und Engagement. Die Kuratorin Katharina Dohm sagt dazu: „Das Besondere an den Videoinstallationen des Duos ist der intensive kollaborative Prozess mit den jeweiligen Kollektiven und Akteur*innen unterschiedlicher Generationen. Es geht nicht darum, Randgruppen eine Bühne zu verleihen, sondern Begegnungen verschiedener Communitys und Künstler*innen zu erzeugen, die Dynamiken in der Zusammenarbeit zu ergründen…".

Die SCHIRN Kunsthalle Frankfurt präsentiert die Video-Kunstwerke des Künstler*innenduos Bárbara Wagner & Benjamin de Burca bis 26. April 2026. https://www.schirn.de/

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