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Buchrezension „Karl Marx in Algier“ von Uwe Wittstock

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Frankfurt am Main, 07.04.2025, 00:02 Uhr
Presse-Ressort von: Kurt Lehberger Bericht 7450x gelesen
Buch „Karl Marx in Algier
Buch „Karl Marx in Algier  Bild: Kurt Lehberger

Frankfurt am Main [ENA] Uwe Wittstock gelingt es in seinem Buch „Karl Marx in Algier: Leben und letzte Reise eines Revolutionärs“, erschienen am 20. März 2025, in abwechselnden Kapiteln die Bibliografie und die Genesungszeit, die Marx in Algerien verbrachte, in einem Buch zu vereinen.

Der Autor stellt in groben Zügen die Theorie von Hegel und ausführlicher die Theorie von Marx dar. Das Besondere daran ist, dass er Marx von der menschlichen Seite betrachtet. Aus den Briefen mit seinen engsten Freunden und seiner Familie wird ein sympathisches Bild von Marx gezeichnet. Marx hatte aber auch einen nicht einfachen Charakter und konnte sehr direkt, und oft auch beleidigend sein. Einmal zündet Marx einen Streit mit Friedrich Engels an. Er kritisierte vielleicht aus Neid Engels, als er mit der Schrift „Die Lage der arbeitenden Klassen in England“ Erfolg hatte. Nach elf Tagen Funkstille wollte Marx das korrigieren. Er übte Selbstkritik, er wollte seinen besten Freund und intellektuellen Dialogpartner nicht verlieren.

Albert Fermé organisierte den Aufenthalt von Karl Marx in Algerien. Er brachte ihm im Landhaus Hotel Pension Victoria unter. Ferme war ein guter Freund der Schwiegersöhne von Marx. Er wurde nach Algerien deportiert, da er sich gegen Napoleon III. in Paris gestellt hatte. Er war hier in der französischen Kolonie im Staatsdienst als Jurist angestellt. Marxs Vater war ebenso Jurist. Er diente im preußischen Justizapparat. Preußen wurde im linksseitigen Rheinland als Besatzungsmacht empfunden. „Preußen hat die linksseitigen Provinzen, die im auf dem Wiener Kongress 1815 zugewiesen wurden wie Kolonien behandelt“. Marxs Großvater war der Rabbi von Trier.

Marxs Vater wechselte zum protestantischen Glauben, um der Diskriminierung als Jude zu entkommen. Protestanten waren eine kleine Minderheit in Trier. So gelang es ihm in der preußischen Verwaltung als gut bezahlter Jurist zu arbeiten. Im Jahr 1830 war ein Viertel der Trierer Bevölkerung arm. Die neuen Provinzen mussten fünfmal höhere Abgaben entrichten als die alten. Als Mitglied der Casino Gesellschaft Triers hielt sein Vater 1834 eine antipreußische Rede und stellte demokratische Forderungen. Es folgten Verhöre, eine Anklage, dann doch ein Freispruch.

1836 verlobte sich Marx mit Jenny von Westphalen, eine adelige Frau und Tochter von Ludwig von Westphalen, einem sehr guten Freund seines Vaters. Sein Vater verstarb 1838. 1843 heirateten beide. Marx studierte in Berlin Jura. Er war fleißig und las und schrieb ganze Nächte hindurch. Dabei lebte er permanent in materieller Not. Marx war von der Lehre Hegels angezogen. Nach Hegel ist die materielle Geschichte gleichzeitig eine Geschichte des Geistes. Er begründet einen neuen universalen geistigen Zusammenhang und glaubt an eine allgemeine kosmische Ordnung, die sich in einem dialektischen Prozess manifestiert. Marx sah die Geschichte materialistisch, als Ergebnis menschlicher Praxis und der sozialen Beziehungen.

Marx ging als Staatenloser erst nach Paris, dann nach Brüssel und schließlich nach London ins Exil. Er lebte in einer bescheidenen Zweizimmerwohnung in Soho. Die Wohnung war in der Nähe zum Britischen Museum, in dessen Lesesaal er regelmäßig an seinen Studien arbeitet. Ab 1850 kümmerts sich Friedrich Engels um die Familie Marx. Er überwies regelmäßig und auf Verlangen Geld an Marx. Alle Kinder, die in Soho zur Welt kamen, starben früh, bis auf Eleanor. Jenny brachte sieben Kinder zur Welt. Nur drei Töchter erreichten das Erwachsenenalter: Caroline, Laura und Eleanor. Jenny starb mit 67 Jahren am 2. Dezember 1881. Die älteste Tochter Caroline starb am 11. Januar 1883, Marx selbst am 14. März 1883.

Das Leben von Marx als Staatenloser war geprägt durch Krankheit, Exil, häusliche Katastrophen, politische Rückschläge und zerbrochene Freundschaften (in „Karl Marx“, Francis Wheen, 1999, Seite 269). Zweieinhalb Monate vor seiner Überfahrt nach Algerien, am 2.12.1881 ist seine Ehefrau Jenny gestorben. Der Tod von Jenny war für Karl Marx wie sein eigner Tod. In den letzten Jahren seines Lebens, war er sehr krank und litt an Schmerzen und war oft sehr entmutigt. Die Zeit in Algerien eröffnet einen Einblick in seinen Gemütszustand. Das Gleichnis des Fährmanns, das Marx in Algerien gehört hat, und in einem Brief an Laura schreibt, ist auch ein melancholischer Rückblick auf sein Leben.

"Während der Fahrt fragt der Philosoph den Fährmann: kennst du Geschichte? Fährmann: Nein! Philosoph: Dann hast du die Hälfte deines Lebens verloren! Hast du die Mathematik studiert? Fährmann: Nein! Philosoph: Dann hast du mehr als die Hälfte deines Lebens verloren. Kaum hat der Philosoph das gesagt, schlägt der Wind das Boot um und beide, Fährmann und Philosoph, stürzen ins Wasser. Da schreit der Fährmann: Kannst du schwimmen? Philosoph: Nein! Dann hast du dein Leben ganz verloren.“ (Zitat nach Karl Marx, Francis Wheen, 1999, Seite 378, auch in Uwe Wittstocks Buch, Seite 215).

Der dienstälteste Abgeordnete Gregor Gysi hat in der konstituierenden Sitzung des neuen Bundestags am 25. März 2025 Karl Marx in seiner Rede gewürdigt. …“ und übrigens Karl Marx ist weltweit einer der bekanntesten Deutschen selbstverständlich darf auch er kritisiert werden, aber er ist und bleibt ein großer Sohn unseres Volkes und man sollte wenigstens eine Universität nach ihm benennen, vielleicht die, die sich in seiner Geburtsstadt in Trier befindet. Das verpflichtet niemanden an der Universität marxistisch zu werden, zumal Karl Marx als der Begriff des Marxismus aufkam, erklärte kein Marxist zu sein… “

Die Kritik an der politischen Ökonomie von Karl Marx (1867 erschien der erste Band seines Hauptwerks Das Kapital) erlebt durch die Radikalität des Kapitalismus mit Vertretern der libertären Bewegung wie Trump, Musk, Milei, Vance und anderen eine neue Bedeutung. Weltpolitisch ist der Kapitalismus die bestimmende Wirtschaftsform. Sowohl China als auch Russland sind kapitalistische Herrschaftssysteme, auch wenn das Kapital nicht in privater Hand, sondern vom Staat aus, beherrscht wird. Die superreichen Oligarchen in USA stellen eine neue Form des Kapitalismus dar.

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